Kapitel 3: Individuelles Kennenlernen, Verhalten und Intelligenz

Diese Kraniche knicken in der Nähe des Nestes auf einer ansehnlich große Fläche von mehreren m² (beobachtet wurden ... bis ... m²) das Reetgras so, daß die Jungen darauf laufen und die Gegend erkunden können. Interessant ist, daß diese Praxis bisher nur bei ukrainischen Kranichen beobachtet wurde, nicht z .B. auch bei finnischen oder deutschen. Offenbar wurde dort diese Erfindung noch nicht gemacht, und die Weitergabe dieser Innovation aus der Ukraine nach Westen und Norden ist noch nicht geschehen.

Primäre Emotionen

N
och schwieriger als die Planungsleistungen sind sicherlich emotionelle Zustände zu beobachten und zu interpretieren, da die Kraniche nicht sprechen und ihre Äußerungen (Töne bzw. Bewegungen) von uns mißverstanden werden können. Es sollen dennoch einige Beobachtungen angeführt werden, auch auf die Gefahr hin, daß dem Autor „vermenschelnde“ Interpretation vorgeworfen wird.

Bei der Interpretation gehe ich davon aus, daß Laut- oder Bewegungs- äußerungen, die sonst in einem funktionalen Zusammenhang stehen (Balz, Nahrungssuche) in einem anderen Zusammenhang eine emotionale, der ursprünglichen Funktion nahekommende Bedeutung haben.

So vollführte das Paar Nr. 5 einen wahren „Freudentanz“, nachdem es aus dem Winterquartier eingetroffen war. Bemerkenswert war insbesondere, daß nicht zuerst - wie vielleicht zu erwarten gewesen wäre - nach dem längeren Flug ausgeruht und Nahrung gesucht wurde, sondern das Paar tanzte und flog im gesamten (recht großen) Revier umher, als ob es inspizieren würde, ob noch alles beim alten sei. Hier und da wurde offenbar nur symbolisch kurz im Boden gestochert, zur Ruhe und Nahrungsaufnahme kam das Paar erst nach etwa eineinhalb Stunden.

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Hauptmenue | Vorwort | Kap 1: Bild und Ton | Kap 2: Kranicharten | Kap 3: Kennenlernen, Verhalten und Intelligenz
Kap 4: Graue Kraniche | Kap 5: Mandschurenkraniche | Kap 6: Schreikraniche | Kap 7: Resumés | Kap 8: Anhang