Kapitel 3: Individuelles Kennenlernen, Verhalten und Intelligenz

Ein kleines abschließendes Beispiel zeigte Paar Nr. 1 ein Jahr später, als es keine Jungen hatte, aber eine Vollmauser durchmachte. Es näherte sich (zu Fuß, da flugunfähig) auf dem Weg zum Schlafplatz einer umzäunten Weide, die Henne etwa 30 m hinter dem Hahn. Dieser übersprang den Zaun und ging zügig weiter, während die Henne nicht springen konnte oder wollte. Sie lief unschlüssig am Zaun rechts und links hin und her, schien einen Durchschlupf zu suchen, fand aber keinen. Erst nach einer halben Stunde ging sie entschlossen nach links, wo der Zaun endete und in einem rechten Winkel das jenseitige Ende der Weide abschloß.

Dort ging sie parallel am Zaun entlang bis zum weiter entfernten Ende, wo inzwischen der Hahn unter dem Zaun her die Weide verlassen hatte und am Schlafplatz angekommen war.

Nur durch die Ortskenntnis und die Fähigkeit zu erkennen und sich vorzustellen, daß ein Umgehen des Zauns die Lösung darstellen konnte, konnte die Flugunfähigkeit kompensiert werden.

Kommunikation, Weitergabe von Erfahrungen bzw. Tradieren von Kultur

Z
ahlreiche Beobachtungen legen nahe, daß oft eine recht differenzierte Kommunikation zwischen den Kranichen möglich sein muß. Nicht nur mußte das Paar Nr. 2 untereinander die Meinungen darüber austauschen, wo man am besten brüten könne, und wann man die Jungen (wohin) durch die buschreiche Waldung ausführen würde, auch das Paar Nr. 1 mußte, als es aus unserer Sicht plötzlich die gewohnte Nahrungswiese verließ und durch eine Wald zu einer neuen frisch gemähten Wiese lief, sich irgendwie ausgetauscht haben über diese Absichten und ggf. sogar auch über die vorliegenden Probleme.
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